Kultur- und Friedenspreis der Villa Ichon im Jahre 2023 an Eike Besuden

Eike Besuden

Der Vorstand der Vereinigung der Freunde und Förderer der Villa Ichon in Bremen hat einstimmig beschlossen, den 41. Kultur- und Friedenspreis im Jahre 2023 an EIKE BESUDEN zu verleihen.

Wir ehren Eike Besuden, weil er Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, eine große Wertschätzung entgegenbringt. Er zeigt, dass diese zu großen künstlerischen Leistungen fähig sind. Wir ehren Eike Besuden, weil er in seinen Filmen Persönlichkeiten zeigt, denen Unrecht geschehen ist. Und es gelingt ihm, zumindest im Nachhinein, diesen Anerkennung und Respekt zu erweisen. Wir ehren Ihn, weil er mit seinen Filmen für ein besseres Miteinander kämpft und uns anregt, Menschlichkeit zu leben.

Eike Besuden kam 1948 in Wildeshausen zur Welt. Er studierte Germanistik, Soziologie und Geschichte. Seit 1975 arbeitete er als freier Autor, Moderator und Redakteur zunächst beim Hörfunk von Radio Bremen, seit 1986 auch beim Fernsehen, vor allem für buten un binnen und die ARD-Serie „Unter deutschen Dächern.“ 1995 gründete er die Produktionsfirma PINGUIN STUDIOS für Dokumentationen, Features und für die Erstellung von Spielfilmen für Kino und Fernsehen. 

Besonders erfolgreich war er mit seinem Kinofilm „Verrückt nach Paris.“ Drei Menschen mit Behinderung fliehen hier aus einem Wohnheim in Bremen und gelangen eher zufällig nach Paris, wo sie viel erleben. Es geht in diesem Film um Behinderung, Freundschaft und Liebe. Im Kino und im Fernsehen lief auch der Film „Gibsy – die Geschichte des Boxers Johann Rukeli Trollmann. Erzählt wird hier von dem Boxer Trollmann, der 1933 sensationell die deutsche Meisterschaft im Halbschwergewicht gewonnen hatte und dem diese wieder aberkannt wurde, weil er „Zigeuner“ war.

Mit Klaus Hübotter war Eike Besuden besonders verbunden durch seinen Film  „Aufgeben? Niemals!“ die Geschichte der Familie Bamberger. Klaus Hübotter ist es zu verdanken, dass das „Bambüddel“, das erste große Kaufhaus mit neun Stockwerken in Bremen, von Julius Bamberger in den 1920er Jahren errichtet, in seiner ursprünglichen Form wieder aufgebaut wurde. Julius Bamberger wollte mit diesem besonderen Kaufhaus gerade ärmeren Menschen aus dem Bremer Westen den Zugang zu preiswerten Haushaltsdingen, Lebensmitteln und Wäsche erleichtern. Er erlebte schon früh den wachsenden Antisemitismus und konnte Deutschland noch rechtzeitig verlassen. Eike Besuden hat das Leben dieses großherzigen jüdischen Kaufmanns eindrucksvoll nachgezeichnet.

Nach wie vor gibt es in unserer Gesellschaft Antisemitismus, gibt es judenfeindliche Beschimpfungen und Gewalttaten. Solange Synagogen und jüdische Festveranstaltungen in Deutschland geschützt werden müssen, bleibt noch Entscheidendes zu tun – nicht nur von Staat und Polizei, sondern auch und gerade von der Bürgergesellschaft. Die Geschichten, die Eike Besuden mit seinen Filmen erzählt, helfen, menschenfeindlichem Denken und Handeln entgegenzutreten. Sie schärfen unser moralisches Empfinden und unsere demokratische Wachsamkeit.

Die Preisverleihung wird nächstes Jahr im Bamberger-Haus stattfinden, über das genaue Datum werden wir Sie noch zeitnah informieren.

Für den Vorstand: Luise Scherf und Nicola Hübotter