Klezmer für den Frieden - Instrumentalworkshops mit Yale Strom und Elizabeth Schwartz in der Villa Ichon

22.06.2022 um 15:00 Uhr | Goldener Saal

Elizabeth Petr Sasha Yale

Klezmer für den Frieden

Yale Strom und Elizabeth Schwartz aus San Diego spielen am 22. Juni in der Cappella della Musica und geben zuvor Workshops in der Villa Ichon

Bremen. Über Bialystok kommen sie nach Bremen: Yale Strom, US-amerikanischer Geiger, Komponist und Klezmerforscher, die auf rumänisches Jiddisch spezialisierte Sängerin Elizabeth Schwartz (“Voice of Klezmer”), der tschechische Kontrabassist Petr Dvorský und der belarussische Akkordeonist Sasha Yasinski sind gemeinsam auf Tournee. Am Mittwoch, 22. Juni, gibt das Quartett um 20.30 Uhr ein Konzert in der Cappella della Musica am Osterdeich 70b. Für den Nachmittag sind außerdem Workshops geplant, vokal und instrumental.

Yale Strom, Artist of Residence an der Uni von San Diego, hat seit Jahrzehnten ein eigenes Ensemble, “Yale Strom & Hot Pstromi”, komponiert, gibt Meisterklassen, filmt, fotografiert und ist ein Pionier auf mehr als einem Gebiet. Als vielseitig und visionär bezeichnete ihn das Time Magazine: “eine Liga für sich”.  Seit 1981 forscht der US-Amerikaner, der aus einer orthodoxen Familie stammt, mit chassidischer Musik und Jiddisch aufgewachsen ist, dies- und jenseits der Karpaten. Fast 80 Reisen hat er unternommen, um die Musik der Roma und Klezmer zu erforschen und Spuren jüdischen Lebens nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust nachzuzeichnen. Zu seinen Veröffentlichungen zählen ein Grundlagenbuch über Klezmer, Fotobände, Eigenkompositionen, CDs und Dokumentarfilme wie “At the Crossroads: Jews in Eastern Europa Today” (1990) und “Der letzte Klezmer – Leopold Kozlowski: Sein Leben und seine Musik” (1994). Sein neuestes Werk ist ein jiddisch-englisches Kinderbuch, inspiriert von Klezmer und den Reisen in die Schwarzmeerregion: “Shloyml Boyml and His Lucky Dreydl” über einen Jungen und seinen Glückskreisel. Ein schwedischer Verlag, der Olniansky Tekst Farlag,  hat es veröffentlicht. Ein jüdischer ungarischer Künstler aus Budapest, Emil Singer-Fuer, hat es illustriert.

Bremen sei auf Jiddisch übrigens das Wort für Augenbrauen, schreibt Yale Strom in einer Mail. Er und seine Frau Elizabeth Schwartz, weltweit eine der profiliertesten Stimmen des Klezmer, haben die Hansestadt 2019 kennen und schätzen gelernt. Nun freuen sie sich auf weitere Kontakte in die Klezmer- und Romamusikszene und Begegnungen mit dem Publikum. Bevor sie diesmal nach Deutschland kommen, werden sie in einer Synagoge in Holesov (Tschechien), beim Galicianer Shtetl Days Festival in Tarnow (Polen) und beim Zachor Festival of Jewish Culture in Bialystok (Polen) erwartet. Der Kontrabassist Petr Dvorský, der sie begleitet, ist einer der bekanntesten tschechischen Kontrabassisten. Er kommt aus dem Jazz und war gerade erst mit dem Steven Santoro Quartett in Deutschland und Österreich auf Tournee. Mit von der Partie ist auch Aliaksandr Yasinski. Der experimentierfreudige Akkordeonist ist in Belarus geboren und hat in Minsk und Prag studiert, wo er seit 2011 lebt. Seine Musik überschreitet Grenzen, auch im Sinne von Genres. Vor zweieinhalb Jahren sind die Vier zuletzt gemeinsam aufgetreten - in der altehrwürdigen Maisel Synagoge in der Prager Altstadt.

 Auch wenn Elizabeth Schwartz eine herausragende Stimme und sehr viel Temperament hat: Die Geige gibt in solchen Momenten den Ton an. Wenn er Violine spiele, sei er eins mit seinem Instrument, hat Yale Strom einmal in einem Interview gesagt. Über die Violine spricht er zum Publikum. Und diese Sprache ist universell, leidenschaftlich, Ausdruck von Lebensfreude und Witz, aber auch von Liebesleid und Kummer. Die Hintergründe einzelner Klezmerstücke, Roma-Lieder oder westeuropäischer synagogaler Gesänge erläutert der Musiker und Musikwissenschaftler in einer Mischung aus Englisch, Jiddisch und Deutsch. In Bremen wird unter anderem auch Klezmer aus der Ukraine zu hören sein, dem Land, aus dem Yale Stroms Vorfahren väterlicherseits stammen. In großer Anspannung verfolgen er und seine Frau die Nachrichten über den Krieg, in Sorge um befreundete ukrainische Musikerinnen und Musiker und Bekannte. Einen Auftritt in San Diego vor dem Abflug nach Europa haben die beiden beim jährlichen Klezmertreffen, dessen Titel von einem alten James-Bond-Film inspiriert ist, aber auch Ausdruck der Hoffnung auf Frieden ist: “To Ukraine, With Love: Songs for Hope”.

Diese Verbundenheit mit der Ukraine soll auch in Bremen zu spüren sein. Damit unter anderem auch Ukrainerinnen und Ukrainer das Konzert in der Cappella della Musica besuchen können, schlägt der Geschichtsverein Lastoria, der das Konzert ehrenamtlich für das Quartett organisiert und sich auch finanziell engagiert, Klezmerfans vor, Geflüchtete einzuladen: “Kauf zwei, verschenk eine! Ob nun an ukrainische oder andere Flüchtlinge oder an freiwillige Helferinnen und Helfer, die schon seit Monaten im Einsatz sind. Es soll ein besonderer Abend für alle werden.” Diesem Aufruf sind bisher vor allem Mitglieder des Vereins gefolgt.

Am Nachmittag vor dem Konzert werden zusätzlich in der Villa Ichon, Goetheplatz 4, noch einstündige Workshops angeboten.Der bereits recht gut gebuchte Instrumentalworkshop beginnt gegen 15 Uhr und richtet sich insbesondere an Musikerinnen und Musiker, die Klezmer-Erfahrung haben, an Musikstudierende und andere Fortgeschrittene. Für den Vokalworkshop mit Elizabeth Schwartz, der gegen 16.15 Uhr anfängt, sind weder Klezmer- noch Jiddisch- oder Englisch-Kenntnisse erforderlich. Während des Gesangsworkshops wird das Tragen einer Maske von der Künstlerin erbeten, falls ihre Gruppe nicht ins Freie wechselt. Die Teilnahmegebühr orientiert sich an der Gruppengröße, voraussichtlich 15 Euro für den Gesangsworkshop und etwa 20 bis 25 Euro für den Instrumentalworkshop.

Eine Konzertkarte kostet regulär 20 Euro, eine Karte, mit der ein Erwachsener eingeladen werden soll, ebenfalls 20 Euro. Ermäßigte Karten für 14 Euro gibt es vor allem für Schülerinnen, Schüler, Azubis, Studierende und andere mit geringem Einkommen. Vorverkaufsstelle ist die Georg-Büchner-Buchhandlung am Ziegenmarkt im Steintor. Karten können außerdem unter mail@lastoria-bremen.de bestellt werden. Unter dieser E-Mail-Adresse sind auch Anmeldungen zu den Workshops möglich.

Veranstalter: Lastoria-Bremen