Filmvorführung: Der letzte Flug von Petr Ginz

22.08.2019 um 19:30 Uhr | Goldener Saal

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Offizieller Trailer (2013) - Gewinner des Jerusalem International Film Fest HD

Einführung: Dr. Ilka Wonschik

Im Rahmen der Ausstellung „Impressionen in Papier“ der 89-jährigen jüdischen Künstlerin Chava Pressburger, die als 14jährige in Theresienstadt interniert war, zeigt die Villa Ichon den Film: Der letzte Flug von Petr Ginz. Das Œuvre der Künstlerin, die 1930 in Prag als Eva Ginzová geboren wurde, ist stark mit ihrer von Gewalt und Krieg geprägten Lebensgeschichte verbunden, besonders auch mit dem Verlust ihres in Auschwitz ermordeten Bruders Petr Ginz.

„Warum er, warum nicht ich?“ Diese Frage hat Chava Pressburger ihr ganzes Leben nicht mehr losgelassen. In dem Ausstellungskatalog „Chava Pressburger. Bilder – Papierarbeiten – Skulpturen“ von der Kuratorin Ilka Wonschik, dass im Hentrich & Hentrich Verlag Berlin erschienen ist, sagt Chava Pressburger. „Oft denke ich darüber nach, wie mein Leben geworden wäre, wenn mich Petr weiter begleitet hätte, so wie meine ersten zwölf Jahre. Petr war mein begabterer und stärkerer Bruder, den ich bewunderte, der immer mein Vorbild war, der mir den Weg wies. Die Welt wäre mit den Millionen von Seelen, die nicht mehr da sind, reicher und anders.“

Sein Leben wurde in einem Dokumentarfilm von 2012, Der letzte Flug von Petr Ginz , unter der Regie von Sandra Dickson und Churchill Roberts, gefeiert und ging 2013 als Gewinner des Jerusalem International Film Fest HD hervor.

Mit 14 hatte Petr Ginz fünf Romane geschrieben und ein Tagebuch über die nationalsozialistische Besetzung Prags geschrieben. Mit 16 hatte er 170 Zeichnungen und Gemälde hergestellt, eine Untergrundzeitschrift im jüdischen Ghetto herausgegeben, Kurzgeschichten verfasst

Aus intellektueller Neugier, aber voller Unfug las Petr Ginz unersättlich, schrieb ständig, baute explodierende Spielzeugkanonen, um seine Klassenkameraden zu erschrecken, und zeichnete und malte eine Welt voller Abenteuer und exotischer Schauplätze. In seinem Roman, einer Allegorie auf Hitler, erzählte Petr die Geschichte eines riesigen Roboters, mit dem die Regierung das Volk terrorisiert. Er beendet das Buch mit der Warnung: Ist es nicht möglich, dass ein neues Monster auf der Erde auftaucht ... ein Monster, das die Menschheit auf schreckliche Weise quälen wird?

Dieser unkonventionelle Film zeigt durch Petrs Kunst und Schreiben, verwoben mit fantastischen Animationen, eine Reise vom frühreifen Kind zum jungen Erwachsenen, vom begabten Künstler zum Wunderkind und von der verlorenen Unschuld.

 Foto: © Kerstin Thompson