Chava Pressburger – Impressionen in Papier

19/07/2019 bis 24/08/2019

Öffnungszeiten: Mo-Sa 11-13 Uhr & Mo-Fr 16-20 Uhr

19.07.2019 um 19:30 Uhr | alle Räume

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Vernissage: 19. Juli 2019 um 19:30 Uhr

Einführung: Dr. Ilka Wonschik  /  Musik: Edna Eversmeier (Geige)

Foto: Papiercollage von Chava Pressburger aus dem Bilderzyklus mit dem Titel: "Mein Bruder und ich"

"Ich möchte nicht viel reden. Ich bevorzuge es zuzuhören, in meine Gedanken vertieft und in meiner Abgeschiedenheit lebend, eingehüllt in der Stille, und in Erinnerungen an vergangene Dinge." (Chava Pressburger)

Geboren im Jahre 1930 in Prag, wuchs die Künstlerin Chava Pressburger in einem Elternhaus auf, das von jüdischen wie auch christlichen Traditionen geprägt war. Während des Zweiten Weltkriegs wurde sie im Mai 1944 nach Theresienstadt deportiert, wo sie ein Jahr später die Befreiung erlebte. Nach dem Krieg kehrte Pressburger nach Prag zurück, wo sie, gemeinsam mit ihren Eltern, vergeblich auf die Rückkehr ihres in Auschwitz ermordeten Bruders Petr Ginz wartete. Nach der kommunistischen Machtergreifung in Tschechien emigrierte Pressburger nach Israel, wo sie sich als anerkannte Künstlerin etablierte.

Zu Anfang ihrer künstlerischen Entwicklung stellte sie hauptsächlich figurative Ölgemälde her, die über die Jahre hinweg immer abstrakter wurden. In den letzten Jahrzehnten beschäftigte sich die Künstlerin überwiegend mit der Herstellung und künstlerischen Gestaltung ihres eigenen Papiers. Der Beginn von Chava Pressburgers künstlerischen Prozess ist der Weg in die Natur. Hier sammelt sie geeignete Pflanzen, kocht und zerreibt sie in einzelne Fasern. Mit Hilfe eines Schöpfrahmens werden anschließend in das noch feuchte Papier die unterschiedlichsten Pflanzen- bzw. Papiermaterialien eingearbeitet.

Viele Kunsthistoriker behaupten, dass Papier keine eigene Stimme hat und sich den Künstlern/innen und ihren Werken beugen muss. Pressburger möchte aber bewirken, dass das Papier selber zum künstlerischen Objekt wird, mit seiner eigenen resonanten inneren Stimme. In ihren Augen hat nur dieses Papier – gegenüber dem industriell hergestellten Papier – ein ungebrochenes Selbstbewusstsein, das sie während ihres Arbeitsprozesses immer wieder kreativ herausfordert und inspiriert. Auf diesem Weg hat Chava Pressburger eine Möglichkeit gefunden, ihre verborgenen Gefühle zum Ausdruck zu bringen und sich mit ihren schmerzhaften Erinnerungen auseinanderzusetzen.

siehe auch: https://www.gedaechtnisbilder.com/aktuelle-veranstaltungen-1

Veranstalter: Dr. Ilka Wonschik, Kuratorin, Autorin und Kunsthistorikerin und die Freunde und Förderer Villa Ichon E.V. in Bremen