„Asoziale“ und „Berufsverbrecher“: Vergessene Opfergruppen des NS

20.01.2020 um 19:00 Uhr | Raum 5

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Diskussion mit Prof. Dr. Frank Nonnenmacher (Frankfurt/M.), Initiator des Appells „Vergessene NS-Opfer“, sowie den Bundestagsabgeordneten Dr. Eva Högl (SPD) und Dr. Kirsten Kappert-Gonther (Bd. 90/Die Grünen) über die ignorierten NS-Opfergruppen wie „Asoziale“ und „Berufsverbrecher“.

Die Rehabilitierung ignorierter NS-Opfergruppen wie „Asoziale“ und „Berufsverbrecher“ ist endlich im Bundestag angekommen.In welcher Form, warum das derart lange dauerte und welche familienbiographischen Traumata durch die Stigmatisierung als „asozial“ bis heute fortwirken, diskutieren wir mit Prof. Dr. Frank Nonnenmacher (Frankfurt/M.), Angehöriger eines „Asozialen“ und Initiator des Appells „Vergessene NS-Opfer“, sowie den federführend befassten Bundestagsabgeordneten Dr. Eva Högl (SPD) und Dr. Kirsten Kappert-Gonther (Bd. 90/Die Grünen).

Die von Nonnenmacher initiierte Petition wurde von über 20.000 Menschen unterschrieben und im April 2018 dem Bundestag übergeben. Inzwischen liegen vier Anträge vor: je einer von B90/Grüne, FDP und LINKE, sowie ein gemeinsamer Antrag der Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD. Es ist damit zu rechnen, dass diese in einer der nächsten Bundestagssitzungen diskutiert werden. Ob es zu einem Parlamentsbeschluss kommt, welche Widerstände es gibt und welche Konsequenzen eine Anerkennung dieser bis heute „vergessenen“ Opfergruppen haben müsste - all dies ist Thema der Veranstaltung.

Nonnenmacher ist emeritierter Professor für Politische Bildung an der Goethe-Universität Frankfurt. In einer Doppelbiografie beschreibt er das Leben zweier Brüder: Nonnemachers Vater Gustav kam in ein Waisenhaus, flog als Ju52-Pilot für Hitlers Luftwaffe und wurde später freischaffender Bildhauer.

Dessen Bruder Ernst war zur gleichen Zeit in den KZ Flossenbürg und Sachsenhausen. Er hatte aus Not Diebstähle begangen und wurde als „Herumtreiber“, Bettler und Kleinkrimineller zu Gefängnisstrafen verurteilt. Nach Verbüßung seiner letzten Strafhaft wurde er ohne jedes weitere Verfahren ins KZ deportiert. Ernsts Schicksal ist exemplarisch für die von den Nazis als „Asoziale“ und „Berufsverbrecher“ bezeichneten KZ-Häftlinge, die den stigmatisierenden schwarzen bzw. grünen Winkel tragen mussten. Sie galten als „Ballastexistenzen“, die „durch Arbeit vernichtet“ werden sollten. Bis heute werden sie nicht nur von der Politik, sondern auch von der gesellschaftlichen Erinnerungskultur marginalisiert.

Eine Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung Bremen.

Die Credits für das Bild zum Text lauten: »Stacheldrahtzaun des KZ Dachau«

Autor: JordanHoliday

licence: CC-BY-NC-SA 4.0

 

 

Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich.