1968 – Die Revolte in der Revolte. Die Neue Frauenbewegung und ihre Mythen.

15.11.2018 um 19:30 Uhr | Raum 5

Prof. Dr. Susanne Schunter-Kleemann, Bremen

Der Tomatenwurf einer Hochschwangeren auf den SDSler Jürgen Krahl auf dem Delegiertenkongress im Herbst 1968 habe die langjährige Unterdrückung der Frauen im SDS manifestiert. So wurde es genüsslich von STERN und SPIEGEL berichtet. Und so wird es seither von vielen Feministinnen weitererzählt. Der Tomatenwurf sei der Startschuss für den Aufbruch der Neuen deutschen Frauenbewegung gewesen. Diejenige, die die berüchtigte Tomate geworfen hat, die im Jahr 1995 verstorbene SDS-Studentin Sigrid Rüger, sah das ganz anders.

In dem mit Bildern unterlegten Vortrag werden die wesentlichen politischen Aktionen der Westberliner Revolte nachvollzogen, in ihren internationalen Kontext gestellt und die von den zumeist männlichen Geschichtsschreibern unterschätzte Rolle der Frauen in der Protestbewegung beleuchtet.

Susanne Schunter-Kleemann lehrte Sozial- und Politikwissenschaften an der Hochschule Bremen. Die Studentenrevolte hat sie als SDS-Mitglied in Berlin miterlebt. Sie hat zahlreiche Publikationen zu den demokratiepolitischen Defiziten der Europäischen Union und den Auswirkungen des europäischen Binnenmarkts auf die Arbeits- und Lebenssituation von Frauen veröffentlicht.

 

Veranstalter: masch Bremen