Johann Poppe – Die Reisezeichnungen in der Villa Ichon

29/11/2018 bis 29/12/2018

Öffnungszeiten: Mo-Sa 11-13 Uhr & Mo-Fr 16-20 Uhr

29.11.2018 um 19:30 Uhr | alle Räume

Pompeji 2 Gross

Der berühmte Bremer Architekt Johann Poppe (1837-1915) war nicht nur als Architekt des Historismus erfolgreich und sehr produktiv.

Die in den Räumen der Villa Ichon ab 29.11. 2018 ausgestellten Zeichnungen einer Studienreise durch Italien zeigen ihn als Künstler, der auch Architektur und Landschaft mit Bleistift und Farbe überaus gekonnt wiederzugeben vermochte.

Poppe begann seine Studienreise als bereits gut ausgebildeter Architekt. Wie viele andere Künstler, Architekten und Schriftsteller seit dem 17 Jh. vor ihm, begab er sich nach einer Anstellung bei einem Architekten in Paris von dort aus auf seine Reise.

Die erste aus dieser Zeit datierte Zeichnung stammt vom 24. April 1862 und wurde in Chenonceaux erstellt. Die letzte trägt das Datum des 14. November 1862 und bildet ein Deckenfresko der Kirche Santa Maria del Populo in Rom ab.

Bei der Motivauswahl richtete sich sein Interesse auf Kirchen, Tempel und Paläste aus der Antike und auf die Renaissancearchitektur als Wiederaufnahme der Antike. Einige der Zeichnungen sind nach Orten und Motiven beschriftet, für die anderen war eine intensive Recherche auch an Originalschauplätzen für eine Einordnung notwendig.

Das Ergebnis in Form einer Zusatzinformation aus kurzem Text, Fotos und Vergleichsmaterial zu jeder der Zeichnungen zeigt auch die Geschichte der Motive an ihrem jeweiligen Standort. Wohlinformiert besuchte Poppe gerade erst freigelegte Ruinen in Pompeji oder den im Stil der Neorenaissance frisch renovierten Ständesaal des Schlosses Blois.

Seine Aquarelldarstellung der Exedrasüdwand der Casa della Parete Nera in Pompeji ist eines der wenigen verbliebenen Dokumente dieser jetzt dem Verfall preisgegebenen filigranen Wandgestaltung einer antiken Villa. 

Aus diesem reichen Fundus an Formen und Baustilen konnte er nach seiner Rückkehr nach Bremen schöpfen und die Inspirationen mit in seine Entwürfe für die Gebäude der Stadt fließen lassen.

Poppes Zeichnungen bestechen durch hervorragende Qualität und Detailgenauigkeit. Augenmaß, Perspektive, Bildaufbau, Technik und Farbgebung zeugen von Poppes großem Talent, nicht nur als Architekt, sondern auch als zeichnender Künstler. So findet eine interessante Wechselwirkung von architektonischer Bauaufnahme und künstlerischer Darstellung statt.

Die ausgestellten Zeichnungen befinden sich heute im Planarchiv des Landesamts für Denkmalpflege und werden jetzt erstmalig in der Villa Ichon der Öffentlichkeit gezeigt. Ein besonderer Reiz dieser Ausstellung besteht darin, dass Poppe die prunkvollen, bis heute gut erhaltenen Ausstellungsräume der Villa Ichon 1871 – 1872 selbst gestaltet hatte, bevor er dieses Haus bis 1913 als Hausherr bewohnte.

Die von Gerlind Esser angeregte, konzipierte und realisierte Ausstellung: „Johann Poppe - die Reisezeichnungen“ findet in der Zeit vom 29.11. bis zum 29.12.2018 statt.

Ein großes Dankeschön geht an die Adresse des Landesamtes für Denkmalpflege, für die zur Verfügung gestellten Originalzeichnungen von Poppe und die fachliche Begleitung der Vorbereitungen.

Besonderer Dank gebührt Herrn Dr. Klaus Hübotter, der sich von der Idee, die Zeichnungen in seiner Villa auszustellen sofort begeistert zeigte und mit der Bereitstellung der Räumlichkeiten und einem finanziellen Beitrag die Ausstellung ermöglicht.