Caspar Sessler – present perfect

28/06/2018 bis 04/08/2018

Öffnungszeiten: Mo-Sa 11-13 Uhr & Mo-Fr 16-20 Uhr

28.06.2018 um 19:30 Uhr | alle Räume

CS PP HBF

Die Villa Ichon widmet dem Bremer Fotografen Caspar Sessler (Jahrgang 1982) diesen Sommer eine umfangreiche Schau. Die Ausstellung Caspar Sessler - present perfect umfasst rund 40 Arbeiten aus unterschiedlichen Serien, darunter etwa 10 bisher unveröffentlichte Collagen. 

Im Zentrum der Ausstellung steht die Serie »present perfect«. Es handelt sich dabei um eine Collageserie, die der Künstler seit 2015 entwickelt, in der er historische Aufnahmen mit zeitgenössischen Ansichten kombiniert. Sessler sucht historisch bedeutsame Orte auf, die ein Fotograf zum Teil 100 Jahre vor ihm abgelichtet hat. Er lokalisiert den genauen Standort und fotografiert aus der exakten Perspektive einen, mit harten Schnitten zerteilten Abzug des alten Fotos. In der Kunst spricht man hier von einem Reenactment. Es geht um ein Nachvollziehen und Aktualisieren von historischen Aufnahmen. Ein zeitgenössischer Blick trifft auf Spuren der Vergangenheit.

Caspar Sessler wählt dazu Orte, die für Wiedererkennbarkeit stehen (weswegen ein historischer Vergleich überhaupt so gut funktioniert). Es sind Orte, welche die Selbst- und Fremdwahrnehmung einer Stadt, einer Region und darüber hinaus - im Fall von Berlin einer Nation definieren. Es sind vorgründige Identitätsorte. Zu Berlin gehört das Brandenburger Tor, der Dom, das Stadtschloss, der Kudamm – zu Bremen der Dom, der Markt, der Roland, die Weser, der Hafen, die Brücken, die Plätze, Straßenkreuzungen, das Theater, das Parkhotel und so weiter und zwar mit allen baulichen Veränderungen, welche wir in unserer Identitätsbestätigungssicht fast übersehen.

Diese Kontinuitäten und die darin stattfindenden Veränderungen, die alltäglichen Spuren unserer jeweiligen Nutzung, historisch wie aktuell, verhandelt Caspar Sessler in panoramahaften Blicken auf die Orte. Am deutlichsten wird dies im Triptychon zum Bremer Hauptbahnhof, in dem die Züge aus unterschiedlichen Zeiten wie selbstverständlich aneinander vorbei aus- und einfahren. Aufgrund der zentralen Bedeutung des Bremer Bahnhofs als Baudenkmal und Ort der Begegnung und da Züge an sich die besten Erfahrungsmodelle sind, in denen man zeitlliche Verschiebungen anhand wahrgenommener Räume erlebt, lässt sich das Triptychon als zentrales Bild der Serie definieren. Es verdeutlicht auch, dass sich bestimmte Umbrüche und Neuerungen vorwiegend an technisch-baulichen Äußerlichkeiten ablesen lassen.