Lothar Bührmann „HÄUTUNGEN“

07/12/2017 bis 20/01/2018

Öffnungszeiten: Mo-Sa 11-13 Uhr & Mo-Fr 16-20 Uhr

07.12.2017 um 19:30 Uhr | alle Räume

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Lothar Bührmann zeigt in dieser Ausstellung, wie der Titel sagt, Zeichnungen von „Häutungen“. Einige Motive, Themen und Impressionen brachte er von Reisen mit.

Anderes ist das Ergebnis von Expeditionen in Bildern und Büchern, manches resultiert aus gedanklichen Exkursionen in die Regionen der Wissenschaft und Literatur. Und nicht nur vom Transit im Raum sondern auch von Reisen in der Zeit ist hier zu sehen. So fern manche Welten auch liegen mögen, jeder Reisende weiß, dass er sich selbst immer dabei hat, mehr an den entlegensten Orten zu sich selbst kommt als in gewohnter Umgebung. Auch trägt er seine Erfahrungen, Fragen und Utopien an den anderen Platz und sieht sie mit anderen Augen, manchmal auch erstmals bildhaft. Die neue Umgebung gibt seine Gedanken und Gefühlen Gestalt. Auch kann er noch so weit weg sein, die Wirklichkeit und sein Wissen begleiten ihn.

Bührmann führt mit seinen Bildern an exotische Orte und in vergangene Epochen, doch immer sind drängende Probleme und Fragen unserer Zeit und unserer nahen Welt präsent. In einer Bildsprache, die an die Ursprünglichkeit der Funde und die aufwühlende Empfindung bei ihren Entdeckungen andockt. Der Materialmix ist herausfordernd, haptisch, farbkräftig, rau, aufgewühlt, eine überquellende, ungebändigte Kunstnatur. Wenn auch wissenschaftliche Erkenntnisse und politische Begriffe in die Themen einfließen, geht es doch um einen sinnlichen Zugang zu Dingen, die die Welt und die Menschen bewegen. Und nicht alles ist so, wie es auf den ersten Blick scheint.

Es sind „Arbeiten auf Papier“ zu sehen. Allerdings zeigt sich das Papier hier nicht in gewohnter Form als geduldiger, im Hintergrund dienender Bildträger. Oft erscheint es wie eine Tierhaut aus dem Pergamentzeitalter vor dem Gebrauch von Papieren. Auch ist die Größe bei einigen Exponaten kolossal, mehr Plakat oder besser noch Relief. Die Assoziation an Wände und Felsen stellt sich ein. Die Präsentation verlangt nicht museal nach dem Rahmen, sondern setzt bewusst auf Ursprünglichkeit und Rohheit.

Bührmann arbeitet in aller Regel in Serien. Häufig ist er über viele Jahre mit bestimmten Themen und Motiven beschäftigt. Er umkreist die Welten, die er aufgesucht hat, wie um sie sich bildlich und plastisch anzueignen, um sich seine visuellen Funde, Empfindungen und Gedanken zu vergegenwärtigen, sich ihrer zu versichern, um sie sich in seiner eigenen Sprache anzueignen. Die Natur und die Kulturen, die er aufsucht und aussucht, sind komplex, archaisch, rätselhaft, unbekanntes Terrain und Spiegel unserer selbst zugleich. Sie sind einzigartig und gleichzeitig universelles Sinnbild. Sie gehören einer vergangenen Zeit an und sind doch Epochen übergreifendes Gut der Menschheit wie die Mythen und Legenden der Naturvölker und die Epen aus dem europäischen Altertum.

 (Dr. Rainer Beßling)

Foto © Björn Behrens